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Inwieweit lassen Sie Ihre Erfahrungen als Lehrer in Ihre Politik mit einfließen?

Als Lehrer habe ich die Erfahrung gemacht, dass man Schule vom Kind aus denken muss. Meiner Meinung nach muss das Grundwissen bei allen Schülern so fest wie möglich sitzen, damit ich es flexibel in anderen Bereichen fortentwickeln kann. Das ist eine Haltung, die ich sicher aus meiner beruflichen Tätigkeit übernommen habe. Aber ich mache meine politischen Entscheidungen nicht von dem abhängig, was ich vor 15 Jahren einmal als Lehrer erlebt habe. Es besteht immer die Gefahr, dass man im Rückblick vieles verklärt. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, tritt letztlich das in den Vordergrund, was positiv war. Man sollte sich aber nicht nur auf das beziehen, was man selbst einmal erlebt hat. Mir ist der stetige Kontakt mit Lehrkräften wichtig, die ich aus der Zeit kenne und ich nutze diese Kontakte zu Diskussionen.

Wenn Sie Schule vom Kind aus sehen wollen, warum werden dann die Schüler so selten gefragt?

Vom Kind aus Politik zu machen und Bildung zu gestalten, heißt nicht, das zu machen, was das Kind will.

Aber man sollte doch wenigstens mal nach der Meinung fragen.

Da gebe ich Ihnen Recht. Als Abgeordneter habe ich immer Gespräche mit der Schülervertretung gehabt. Ich kann natürlich nicht mit jedem Schüler sprechen, aber mit der Bezirksschülervertretung. Ich war zweimal bei dem Basiskongress der Schüler als Abgeordneter und habe nun die Schülervertreter ins Ministerium eingeladen, um mit ihnen zu sprechen. Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass wir auch die Meinungen der Schüler in unsere Arbeit einfließen lassen. Es muss ein Miteinander sein und ich sehe Schule als Familie, in der Eltern, Lehrkräfte und Schüler gemeinsam Verantwortung tragen.

Schulfamilie, schön und gut. Aber sehen Sie keine Gefahr, dass Familien durch den verstärkten Nachmittagsunterricht beim G8 zerrissen werden?

Ich glaube nicht, dass die Familien zerrissen werden. Der Zustand der Familie in Deutschland ist nicht viel anders als der Zustand der Familien in Frankreich oder in England, wo es die Ganztagsschule gibt.

Sie haben ja drei Kinder. Sind diese noch direkt vom G8 betroffen?

Nein, meine Kinder sind nicht vom G8 betroffen. Meine beiden Töchter haben die berufliche Ausbildung hinter sich und arbeiten. Mein Sohn ist in der zehnten Klasse des Gymnasiums.

Haben Sie die Entscheidung aus wirtschaftlichen oder aus pädagogischen Überlegungen getroffen?

Ich habe diese Entscheidung aus dem Bewusstsein darum getroffen, welche Notwendigkeiten auf junge Menschen zukommen. Ob man es gern hört oder nicht: Immer mehr Unternehmen machen bei der Einstellung das Alter des Bewerbers zum Kriterium. Wenn Sie heute mit großen, weltweit tätigen Unternehmen wie BMW oder AUDI sprechen, sagen Ihnen die, dass die Konkurrenten aus England und Frankreich um zwei bis drei Jahre jünger sind als die Deutschen. Darauf will ich reagieren. Ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist das Gymnasium. Aber das ist nicht der Einzige. Wir müssen sowohl den Bereich der Einschulung - hier haben wir auch die ersten Entschlüsse gefasst - , als auch den Bereich der Universität in Betracht ziehen und überlegen, wie man die Ausbildung so organisieren kann, dass der Absolvent 23 oder 24 Jahre alt ist.

Die Einschulung zum Beispiel beginnt jetzt sukzessive jeweils einen Monat früher. Noch ist es so, dass jedes Kind eingeschult wird, das bis zum 30. Juni eines Jahres geboren ist. Ab dem Schuljahr 2005/06wird der Stichtag der 31. Juli sein, dann der 31. August und so weiter bis zum Dezember. Außerdem wollen wir den Kindergarten zur Fördereinrichtung machen, in der mit dem Bildungs- und Erziehungsplan auch sprachliche oder musische Förderung in viel stärkerem Maße betont wird.

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