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Ich werde im Ruhestand das tun, was ich schon immer getan habe: Lernen, lernen, lernen.

Was denken Sie in diesem Zusammenhang über die Hartz4-Reform? War sie nötig?

Die Vielzahl von Missbrauchsfällen im sozialen Bereich ist tatsächlich ein Hinweis darauf, dass mal etwas geschehen musste. Ob in dieser Form, das ist zu diskutieren. Fest steht, dass es in Deutschland in der Vergangenheit zu leicht möglich war, Leistungen in Anspruch zu nehmen, ohne Gegenleistungen zu erbringen. Wenn Sie gestern Abend Fernsehen gesehen haben, dann haben Sie aus Halle eine Montagsdemo sehen können, die durch die Stadt marschierte und eine Gegeninitiative eines Arbeitsvermittlungsbüros ignorierte, die Arbeitsplätze anbot. Arbeitslose marschierten durch die Straßen, protestierten gegen die Arbeitslosigkeit und entgegen trat ihnen ein junger Mann mit seinen Mitarbeitern, die 120 Stellen anzubieten hatten. Dieser Unternehmer wurde dann wüst beschimpft von den Demonstranten als "Boykotteur der Interessen der Arbeitslosen". Das ist absurd.

Themawechsel: Was besitzen Sie eigentlich für moderne Medien?

Also, um mal das Positive hervorzuheben: Ich bin der Einzige im gesamten Kollegium, dem noch nie, noch nie, ein Computer abgestürzt ist. Wenn ich die anderen jede Früh reinkommen und fluchen höre, dass das Mistding wieder abgestürzt ist, dann muss ich sagen, ich habe mich noch nicht um mein Seelenheil geflucht, sondern stand immer souverän über diesen Dingen. Natürlich um den kleinen Preis, dass ich keinen besitze, aber immerhin...

Ein Handy besitzen Sie dann auch nicht?

Doch, aber nur in Notfällen, das heißt, wenn ich etliche Kilometer weit außer Hauses auf Reisen bin, dann ja. Aber zu Hause brauche ich so was nicht.

Könnten Sie uns jetzt bitte noch Ihr Notengeheimnis beim Gedichtvorsagen in Deutsch verraten?

Beim Gedichtvortrag? Ganz einfach, da ist zu unterscheiden zwischen Textsicherheit, dann selbstverständlich Betonung und zu guter Letzt kommt noch das gewisse Etwas hinzu, ob die oder der Vortragende das Geheimnis, die Substanz, in irgendeiner Weise erahnt hat.

Wollen Sie selbst noch etwas sagen?

Ja, ich bin der Schule dafür dankbar, dass ich in fünfunddreißig Jahren Gelegenheit bekommen habe, viel, viel zu lernen. Ich würde sagen, sobald man als Schüler älter wird, würdigt man Sie auch mehr. Außerdem scheint es, als wenn Sie ein wenig sachlicher argumentieren können als andere Lehrer, wenn es zum Beispiel um die Sprachenwahl geht.

Wobei es natürlich auch ein Kompliment an Schüler ist, festzustellen, dass Sie ihrerseits beurteilen können, was sachliche Argumentation ist und was nicht. Das, wovon wir ja alle profitieren, ist, dass wir ein so kleiner Betrieb sind mit vier oder fünfhundert Schülern im Durchschnitt und jederzeit über alles miteinander reden können.

Sie haben ja ziemlich viele Direktoren mitgemacht, welchen fanden Sie am eindrucksvollsten?

Jemand, der mir ganz großen Eindruck gemacht hat, war auf Grund seiner unglaublichen fachlichen Kompetenz und seiner Geradlinigkeit Oberstudiendirektor Fisch.

Was halten Sie von der Schülerverbindung?

Ich gehöre ihr nicht an, aber sie hat sicherlich in puncto Traditionspflege etliche Verdienste, und ich halte es auch für einen sinnvolleren Freizeitvertreib, dort hinzugehen und sich mit anderen zu unterhalten, als sich beispielsweise in eine Disko zu flüchten und sich dort volldröhnen zu lassen. Also insoweit tatsächlich Geselligkeit, Kameradschaft und auch Traditionsplege auf dem Programm stehen - warum nicht? Die andere Geschichte, dass Verbindungen in puncto Alkohol gerne mal zu viel trinken, das wird sicherlich niemand befürworten, aber es ist auch eine nicht unbedingte sachgemäße Darstellung zu behaupten, der Alkohol sei für die Verbindung das Wichtigste. Eine andere Zukunftsfrage wird sein, ob unsere Schülerverbindung nur für Maskulina da sein sollte.

Werden Sie nach Ihrem Ruhestand mit dem Casi weiterhin beispielsweise durch Vereine in Kontakt stehen?

Durch den "Verein der Freunde werde ich ohne Zweifel! Denn dort lernt man jede Menge durch wissenschaftliche Vorträge, und ich bin der Meinung, dass das unbedingt gefördert werden sollte. Da sowieso die Zuhörerzahlen schon begrenzt sind, ist es für jeden mehr oder weniger Interessierten eine Pflicht, sich dort sehen zu lassen. Ansonsten mache ich mir keine Illusionen, wenn man außer Dienst ist, dass im Laufe der Jahre sehr vieles abbröselt - und am Schluss kommt man rein und es kennt einen niemand mehr.

Zum Schluss: Wie würden Sie sich selbst in einem Satz charakterisieren?

Du liebes Bisschen! Einfacher ist es, wenn ich sage: Mein Lieblingswort ist "Power"! Auch wenn das denglisch ist…

Werden Sie sich, wenn Sie dann im Ruhestand sind, wieder "exhumieren" lassen?

Ich werde im Ruhestand das tun, was ich schon immer getan habe: Lernen, lernen, lernen.

Und lehren auch?

Ich teile da die Überzeugung des spanischen Schriftstellers Jorge Semprun, der gesagt hat, er könne sich das Paradies nicht anders vorstellen als eine Bibliothek. Cicero hat diesbezüglich mit einem Brief an einen Freund bemerkt: "Wenn du einen Garten besitzt und eine Bibliothek, dann bist du ein glücklicher Mensch." Und ich besitze sowohl einen Garten als auch eine Bibliothek, von daher werde ich mich dort austoben und werde sicher nicht für die nochmalige Exhumierung gebraucht. Meine Ruhestandsurkunde habe ich jedenfalls schon in der Tasche.

Vielen Dank, Herr Dr.Tasler, für Ihr Interview der besonderen Art!

 

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