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Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie mal ins Hallen- oder Freibad kommen und das Wasser schäumt: Dann bin ich das.

Was sagen sie eigentlich zu den derzeitigen Veränderungen an der Schule - Stichwort G8?

G8 - ich war ja beim Demonstrationszug dabei - ist unter der Voraussetzung, dass der erhöhte Nachmittagsunterricht in Kauf genommen werden muss, sicher negativ zu beurteilen. Ich selbst unterrichte seit Jahrzehnten zweimal nachmittags. Die letzten zwei Schuljahre hatte ich schon drei Nachmittage auf dem Buckel und weiß, dass das auf Dauer gesundheitlich nicht durchzustehen ist. Gegenüber jungen Menschen ist es eine Freiheitsberaubung. Zu echter Bildung gehört unbedingt ein Freiheitsspielraum.

Und wie ist ihre Meinung bezüglich des naturwissenschaftlichen Zweigs, der am Casi eingeführt werden soll?

Da der in Coburg schon vorhanden ist, sehe ich es als nicht sinnvoll an, unsere Identität zu ändern und jetzt auch unter dieser Flagge zu segeln. Meine Überzeugung vom Bildungswert des Lateinischen ist, je älter ich werde, umso größer und ich glaube, dass das Casimirianum da ganz erheblich an Substanz verlöre, wenn wir uns selbst Konkurrenz machten.

Was sagen Sie denn zu der derzeitigen Entwicklung der deutschen Sprache?

Wenn Sie damit auf die Rechtschreibreform anspielen, dann ist das eine unvorstellbare Blamage und Katastrophe und eine Zumutung, dass hier einige selbst ernannte Experten einem Volk, um nur die Deutschen zu nennen, von über 80 Millionen etwas willkürlich und undemokratisch aufs Auge gedrückt haben. Insbesondere die Zusammen- und Getrenntschreibung ist ein solches Einzelfallchaos, dass alte Hasen wie ich jetzt auch wieder zum Rechschreibduden greifen müssen, um zu wissen, was den Schülern angestrichen werden muss oder darf und was nicht. Darüber hinaus ist die Überfremdung des Deutschen durch das Denglisch, angefangen von der Sprache, die Sportreporter sprechen, oder der Tatasche, dass Schlagersänger nur noch Erfolg haben in Deutschland, wenn sie singen, was für Englisch gehalten wird, eine nicht unbedenkliche Entwicklung.

Welche Musik bevorzugen Sie?

Mir genügen Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms und Wagner. Mehr brauche ich nicht, wobei Haydn mein Lieblingskomponist ist. Bei den Modernen halte ich mich etwas zurück.

Hatten Sie in den 60ern nicht mal eine wilde Phase als Student?

Nein, also, wenn ich wild sein wollte, dann habe ich mich eher sportlich ausgetobt, nicht musikalisch.

Und welche Sportarten haben Sie da betrieben?

Schwimmen, Schwimmen, Schwimmen, die Sportart, bei der am meisten Muskeln bewegt werden.

Schwimmen Sie noch heute?

Ich habe es stark einschränken müssen, weil ich von der letzten Studienfahrt mit den Abiturienten 1989 mit einer Lungenentzündung aus Russland zurückgekehrt bin, die mir dann schwer zu schaffen gemacht hat, und da haben es die Herrn Professores für geraten gehalten, mir erstmal Startverbot zu erteilen. Aber ich nehme an, dass ich, wenn ich jetzt keinen Stress mehr habe, wieder sofort loslegen kann. Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie mal ins Hallen- oder Freibad kommen und das Wasser schäumt: Dann bin ich das.

Die Festschrift haben Sie freiwillig gemacht, oder wurden Sie dazu gezwungen?

Ja, wie war das doch eigentlich? Am Anfang stand schon eine mehr oder weniger dienstliche Weisung, als ich merkte, wie überreich die vierhundertjährige Geschichte unseres Hauses ist, wie hoch interessant, auch welche Schicksale sich hier abgespielt haben, sei es im Lehrkörper, sei es auch unter Schülern, und wie bedeutend das alles war, was 1605 seinen Anfang nahm, da begann auch bei mir ein Interesse zu erwachen, das schließlich in Begeisterung ausartete. Ich glaube, ich bin ein sehr fröhlicher Mensch, von meinem Grundtemperament her gesehen auch ein stabiler Mensch, und ich denke, dass ich ein ordentliches Energiepotential besitze, sonst hätte ich vieles in meinem Leben nicht erleben und leisten können. Aber es gibt einen Punkt, an dem ich auch arbeiten muss, nämlich dem Perfektionismus mir selbst, nicht anderen Menschen gegenüber. Ich erwarte von mir viel, viel mehr, als ich von jemandem anderen je erwarten würde. Dies hängt sicherlich auch mit dem Wettkampfsport zusammen, wo tagtäglich Höchstleistungen von mir abverlangt wurden. In diesem Bereich musste ich 100% und mehr von mir erwarten und nicht selten an meine Leistungs- oder auch Schmerzgrenze gehen. Manchmal passiert es, dass ich bis zum Umfallen arbeite. Allerdings glaube ich, dass ich nicht alle Arbeit an mich reißen möchte; wenn z.B. in einer Gruppe etwas geplant ist, würde ich nie sagen „Ich mache das jetzt alles alleine“, sondern jeder sollte seinen Teilbereich haben und jeder auf seine Art gut machen. Ich mache ja nichts besser als andere auch.

Was werden Sie jetzt im Ruhestand alles nachholen wollen, wofür Sie bisher keine Zeit hatten?

All die Bücher lesen, die schon in meinem Regal stehen, aber noch nicht gelesen sind. Und ich werde meinem Bewegungsdrang jetzt noch etwas weiter nachgeben. Bisher konnte ich ja nur vor Ihnen im Klassenzimmer auf- und abtigern, aber jetzt werde ich noch etwas weitere Strecken wählen, entsprechend dem Grundsatz, dass die menschliche Anatomie und Physiologie so ausgelegt sind, dass ein Mensch sich dann am wohlsten fühlt, wenn er jeden Tag mindestens 20 Kilometer läuft.

Wovon wird Ihr Leben am meisten dominiert?

Wenn Ihre Frage darauf abzielt, was mir am wichtigsten ist, dann ist es doch das Nachdenken. Ich bin der Überzeugung, dass das Wichtigste im Leben jedes Menschen auch seine religiösen Interessen und seine diesbezüglichen Antennen sind. Denn biologisch ist unser Leben deshalb nicht sehr sinnvoll, weil wir geboren werden, um sterben zu müssen. Die Physik interessiert sich auch nicht für den Sinn unseres Lebens, die Psychologie nur sehr bedingt und kann als solche auch keine verbindlichen Antworten geben. Und wenn wir sämtliche Wissenschaften durchgehen, dann kommen wir irgendwann mal wieder bei der Frage an, ob wir an die Existenz Gottes glauben oder eines höheren Wesens, welcher Art auch immer. Da wir uns nicht selbst geschaffen haben und auch nicht diese Welt, in der wir leben, gilt der Grundsatz der von Viktor E. Frankl so genannten Selbsttranszendenz. Der einzelne Mensch, sein Wesen, seine Fähigkeiten, weisen über ihn hinaus. Und ich meine, das ist die interessanteste Beobachtung und Frage im Leben von Menschen überhaupt.

Haben Sie vor sich noch politisch zu engagieren?

Dazu ist es altersmäßig jetzt zu spät, aber das heißt nicht, dass ich jetzt nicht öfter mal einen Leserbrief an überregionale Zeitungen schreibe und auch in anderer Weise Stellung nehme. Ich habe schon immer bedauert, dass insbesondere Deutschlehrer dadurch mundtot gemacht werden, dass sie von früh bis spät im Klassenzimmer stehen oder am Schreibtisch sitzen und korrigieren, anstatt sich etwas mehr in die Politik einmischen zu können.

Was wäre da beispielsweise ein Thema, über das Sie schreiben würden?

Die Wahnsinnsverschuldung der öffentlichen Hand in Deutschland von 1,4 Billionen Euro. Das ist so unvorstellbar verantwortungslos gegenüber Ihrer Generation und der Ihrer Kinder und Enkel, dass das unbedingt aufs Tapet gebracht werden müsste.

 

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