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Als Nichtraucher kann man alles schaffen!

Wollten Sie eigentlich schon immer Lehrer werden?

Zunächst war bei mir vorrangig das Interesse für die Fächer. Aber ich habe bald festgestellt, dass der Austausch mit jungen Menschen das ist, was mich interessiert. Es kam dann beides zusammen.

Was wir Sie schon immer mal fragen wollten: Wie schmeckt eigentlich ein Lexikon?

Ein Lexikon schmeckt wunderbar, je nachdem, wie man es zu befragen weiß. Mir ist es schon allzu oft passiert, dass ich irgendetwas Harmloses nachschlagen wollte, und dann bin ich auf eine Information gestoßen, die so verrückt war, dass, als ich auf die Uhr schaute, es schon nach Mitternacht war. Von daher kann ich nur sagen: Lexika schmecken vorzüglich!

Denken Sie, dass Sie so gut Dialekte nachahmen können, rührt daher, dass Sie zuerst im Sudetenland, auf der Insel Usedom und dann im Allgäu aufgewachsen sind?

Ja, doch, besonders, wer einmal ins Hintersteinerttal gekommen ist, der hat dort Laute gehört, die so viel Musik in sich tragen, dass das schon dazu anregt, Dialekte zu lieben und nachzuahmen.

Wie viele Sprachen sprechen Sie eigentlich?

Solo un poco. Ewas Lateinisch, in der Schule hab` ich selber mit Englisch begonnen. So ein ganz klein bisschen Französisch anlässlich einiger Reisen, aber auch, um mich mit meiner Schwiegertochter unterhalten zu können und mit meiner Enkelin. Dann noch nemnogo poruski (=etwas Russisch) - im Zusammenhang mit drei Abiturfahrten, die ich mit der 13. nach Moskau und St. Petersburg unternommen habe. Und wenn ich dann noch hinzunehme, dass ich, um mit der Verwandtschaft meines ältesten Sohnes sprechen zu können, etwas Spanisch lernen musste, dann komme ich mit dem üblichen Griechisch alles in allem auf sechs - mit den jeweiligen Einschränkungen.

Was denken Sie, dass Ihre Schüler von Ihnen halten?

Die halten mich für einen ganz scharfen Hund. Mich interessiert aber vor allem, was meine Schüler von mir denken, wenn sie später so zwei bis drei Semester an der Uni waren.

Sie sind ja auch ein einzigartiger Entertainer. War das schon immer eine Eigenschaft von Ihnen? Dazu zählen wir beispielsweise schon die Haltung, mit der Sie in den Unterricht kommen und dann, dass Sie es schaffen, die 45 Minuten durchstrukturiert durchzureden.

Als Nichtraucher kann man alles schaffen. Weil man dann nämlich genügend Power hat. Der Raucher ist oft angekränkelt von irgendwelchem Unwohlsein. So kann ein schwimmender Nichtraucher usw. usf. viel mehr Temperament an den Tag legen, und das ist für Jugendliche bestimmt auch ein ganz wichtiger Arbeitsfaktor, dass jemand nicht nur etwas zu erzählen weiß, sondern es auch mit Begeisterung vermittelt und auch mit etwas Tempo!

Wir haben etwas über den "Roten Casimir" gehört. Könnten Sie uns dazu etwas erzählen?

Das war im Gefolge der '68er Revolte eine von einer kommunistischen Zelle aus Hagen im Ruhrpott gesteuerte rote Postille, in der insbesondere Lehrer angegriffen wurden, die Deutsch oder Geschichte unterrichteten. Und da wurden einige unserer Schüler auf die Betreffenden gehetzt und sollten sie in aller Öffentlichkeit diffamieren. Das sollte geschehen mit Hilfe des so genannten "Roten Casimir". Es gab da im Flugblattformat eine Pseudoinformationspostille mit der Zielrichtung, diese Gesellschaft schon in der Schule zu verändern.

Stimmt es, dass damals das Casi von außen auch mit Parolen beschmiert war?

Ja, es wurde sogar einmal ein "Sprengkörper" durch ein Oberlicht in ein Klassenzimmer geworfen, verpackt in rohes Packpapier, worauf stand: "Tod dem…" und der Name eines Kollegen und mein eigener. Allerdings, durch die Detonation wurde mein Name verstümmelt und es stand nur noch darauf "Dr. T" - alles andere war verkohlt. Daher stammt mein Spitzname.

Über diesen Vorfall gibt es sogar einen Zeitungsbericht, wobei sich herausstellte, dass der in der Zeitung gemeldete "Sprengkörper" in Wirklichkeit ein so genannter China-Kracher war. Ein Feuerwerksspezialist der Feuerwehr hat das damals amtlich festgestellt. Nichtsdestotrotz hätte es natürlich schlecht ausgehen können, hätte ein Schüler diesen Kracher an den Kopf bekommen, dann hätte es nicht nur gekracht, sondern wäre noch mehr passiert.

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