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The American Way of Life



Oder: Die Amis fressen sich zu Tode

Ein Mann gibt ein Fettpolster im Fundbüro ab, der Kommentar des Angestellten: „Tja, viele Leute verlieren sie, wenn sie die Treppe an Stelle des Aufzugs benutzen.“ Einer der Werbespots, mit denen die US- Regierung ihr verfettendes Volk zu mehr Disziplin bei der Ernährung erziehen will. In einem anderen Spot bleiben die Räder eines Einkaufswagens an einem Doppelkinn hängen, das jemand vor dem gesunden Angebot der Gemüsetheke eines Supermarktes verloren hat.

 

Nachdem die Regierung Bush jetzt „Speckalarm“ ausgelöst hat, bleibt unseren lieben Amerikanern auch wirklich nichts mehr erspart. „Verbale Schocktherapie gegen das nationale Fettproblem“, wie es George W. Bushs Gesundheitsminister Thompson nennt. „Die Amerikaner müssen verstehen, dass Übergewicht und Fettsucht uns buchstäblich umbringen“, so Thompson. „Das Land des wachsenden Hüftspecks“ ist auch einer dieser höchst traumatisierenden Ausdrücke, die er immer wieder in seinen Reden verwendet. Dabei wären aber auch Taten nötig um die 59 Millionen Fettsüchtigen, die inzwischen zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen, abspecken zu lassen.

Ein Drittel der Amerikaner ist übergewichtig, das andere Drittel fettleibig, was bedeutet, dass diese einen Body-Mass-Index (Gewicht mal Gewicht in kg geteilt durch Körpergröße in cm) von über 30 haben. 9 Millionen übergewichtige Kinder und Teenager, 10 % ihrer Altersgenossen, dürfen sich auf Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Schlaganfälle, andere chronische Krankheiten und einen verfrühten Tod freuen. Jedes dritte im Jahr 2000 in den USA geborene Kind wird im Laufe seines Lebens Diabetiker werden. Seit der McDonaldisierung und Coca-Colaisierung werden die Amerikaner, aber auch wir selbst, immer dicker, wobei die Frauen mit 33% über die Männer, bei denen 28% betroffen sind, in Sachen Übergewicht die Oberhand behalten. In „fatland“ hat sich seit 1980 die Zahl der Übergewichtigen verdoppelt. Diese Epidemie wird ausarten, sodass es wahrscheinlich in weniger als 40 Jahren nur noch dicke US-Bürger geben wird.
Die USA sind somit weit mehr von Übergewicht bedroht als von Terroristen.

Denn die Fettsucht tötet 400.000 Menschen im Jahr, was 30% mehr ist als vor zehn Jahren. Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, ist eine Essstörung. Sie ist die zweithöchste Todesursache nach dem Rauchen, an dem jährlich 435.000 Menschen zu Grunde gehen. Weit dahinter rangiert mit 85.000 Toten der Alkoholismus als die dritthöchste Todesursache. Damit starben mehr US-Amerikaner infolge ihres selbst verschuldeten Verhaltens als an Infektionskrankheiten, Asbest, Gewaltdelikten mit Waffen, Verkehrsunfällen, sexuellem Risikoverhalten oder illegalem Drogenkonsum. Ursachen für die Verfettung sind die falschen Essgewohnheiten. Der Durchschnittsamerikaner sitzt zwei bis drei die Woche in einem Fastfoodrestaurant. Dabei isst er zu fett und vor allem zu viel. In den fünfziger Jahren enthielt ein Essen bei McDonalds 550 Kalorien, heute 1550. 1970 begann die Invasion, indem McDonalds-Mann David Wallerstein XXL Menüs einführte. Er kam nämlich auf die Idee, dass es dem Kunden peinlich sein könnte die doppelte Menge zu bestellen, denn Völlerei war und ist ein soziales Tabu. Mittlerweile gehören zu einem Mittagsmenü bei McDonalds ein Coca-Cola-Eimer mit 1,2 Liter und eine 300Gramm-Fritten-Tüte plus dem gewünschten Monsterburger. Der US- Bürger kann es sich durch den Wirtschaftsboom leisten öfter Essen zu gehen. Außerdem muss es schnell gehen, möglichst im Minutentakt, keine langen Zubereitungs- und Wartezeiten im Restaurant. Er stopft sich seine Nahrung zwischendurch hinein, meistens im Auto, direkt am Arbeitsplatz oder im Stehen am Küchentresen.

Der durchschnittliche Amerikaner muss ziemlich lange suchen und einen weiten Weg zurücklegen, bis er mal an frisches Obst kommt. Ein Übriges tun die Fertiggerichte: In den Supermärkten gibt es keine Flaschen, sondern Vier- Liter-Bottiche (Gallonenflaschen) und unermesslich viele Fertigsuppen und Tiefkühlgerichte. Selbst fertige Brühe gibt es zu kaufen, die die Maggiwürfel rsetzt. Dosennahrung ist eben einfach und bequem. Hingegen ist die Auswahl an Milchprodukten verschwindend gering und für Käseliebhaber schockierend klein. Sehr beliebt sind auch die so genannten Lightprodukte. Kein Land verzehrt mehr davon als die USA - trotz der steigenden Verfettung. 500Gramm-Tüten sind bei Chips völlig normal. Normal ist auch, dass diese als Mittagessen gelten. Ein einziges großes Fressen.

Hinzu kommt, dass die Amerikaner „Couchpotatoes“ sind. Fernsehen und omputerspielen sind die liebsten Beschäftigungen der Jugendlichen. Nebenbei wird noch schnell ein Schokoriegel reingestopft und eine Cola gekippt. Außerdem hängt der US-Bürger an seinem Auto, mit dem er immer mobil ist nd alles schnell erledigen kann. Mit Bewegung sieht’s also eher schlecht aus, zumal nur in einem einzigen Bundesstaat, nämlich in Illinois, einem der ettesten Staaten, das Schulfach Sport Pflicht ist.

Die Behandlungskosten der Übergewichtigen betragen zurzeit jährlich 117 Milliarden Dollar, die Ausgaben zur Erforschung der Fettsucht 400 Millionen Dollar. Fragt sich nur, was man da noch erforschen will. Die US-Bürger geben 32 Milliarden Dollar im Jahr für diätetische Lebensmittel und Diätkuren aus.

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