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Rolex statt Sex



Das volle Leben

Sebastian war einer von uns. Lange Zeit führte er ein völlig normales Leben: Er ging am Casi zur Schule, besorgte den Kartendienst und war ein Hofmann-Liebling als Fagott im Orchester. Doch nach dem Abitur beschloss er, anders zu werden. Als wir ihn im Café Schubart treffen, hat er eine Zeit als Vagabund hinter sich, Gefängnisse besucht und ist auf dem Weg ... ein Jesuit zu werden. Wir meinen: Krass!

 

Möchtest du uns gerne missionieren?

Ob ich euch missionieren will?

Ja klar, du wolltest doch das Interview machen!

irritiert Nein, ich will euch nicht missionieren.

Wie kommt man als Schüler, vor allem, wenn man doch sehr engagiert war und x Perspektiven hatte, dazu, Mönch zu werden?

Ich bin durch Zufall auf die Jesuiten aufmerksam geworden. Nach einem Besuch im Noviziat in Nürnberg fühlte ich mich stark zu diesem Orden hingezogen. Mich hat der Glaube beeindruckt und die Lebensweise, die in der Nachfolge von Jesus den Menschen helfen will. So fühlte ich mich zu dieser Entscheidung berufen. Aber: Ich bin kein Mönch, sondern Ordensmann.

Sprich?

Mönche wie beispielsweise die Benediktiner oder Franziskaner leben ihr Leben lang in Klöstern an einem bestimmten Ort. Wir dagegen leben in Kommunitäten, manchmal zu viert oder zu fünft, manchmal mit viel mehr Mitgliedern. Selten allein, denn unser Gelübde beinhaltet das Bekenntnis zu gemeinsamem Leben und Arbeiten.

Kann man sich das dann in etwa so vorstellen wie Kirchenvorsteher, die zwar ein Amt in der Kirche haben, aber daneben auch einen normalen Beruf?

Jein. Ihr müsst euch die katholische Kirche als einen großen Kosmos mit Aquarien vorstellen. Es gibt zum Beispiel das Benediktiner-Aquarium, ich schwimme im Jesuiten-Aquarium. Wir sind ein katholischer Männerorden mit ungefähr 21.000 Mitgliedern, verteilt auf alle Länder der Welt.. Unser Charisma, die spezielle Ausprägung, ist es, der Kirche zu dienen. Zum Beispiel hat unser sozialer Auftrag zur Gründung des Flüchtlingsdienstes geführt, der das Leid der vietnamesischen Flüchtlinge lindern helfen sollte. Für uns einzelne heißt das: Wir haben verschiedene „Werke“. Ich zum Beispiel studiere im Rahmen des intellektuellen Apostolats Philosophie an der Hochschule in München. Jeder von uns muss Philosophie studieren und Theologie, dann kommt die Weihe und anschließend zwei Jahre Aufbaustudium. Das bedeutet, dass wir nebenher noch eine andere Ausbildung bekommen.

Wie zum Beispiel Medizin...

Genau, wir sind dann Ärzte oder Physiotherapeuten. Die Idee ist, dass wir bei unserem Wirken nahe an den Menschen arbeiten können. Und ein gewisser Missionsauftrag ist natürlich auch dabei, wie bei jedem Orden und bei jeder Kirche. Jesuiten spielen meist eine führende Rolle, wenn es um interreligiöse Dinge geht. Wir stoßen da oft Türen auf. Zum Beispiel haben wir ein Haus in Ankara gegründet, für Christen und Moslems. Unser Auftrag ist es, Antworten auf bestehende Nöte zu finden. Wir helfen AIDS-Kranken, Obdachlosen oder Illegalen. Wir suchen Strukturen zu verändern und dabei auch auf die Politik Einfluss zu nehmen.

Ihr macht also alle eure Arbeit im Dienste der Jesuiten, oder?

Nein. Wenn ich gefragt werde, was ich jetzt mache, sage ich: Ich bin Jesuit und studiere Philosophie. Ein anderer wäre dann zum Beispiel Professor für Philosophie und dann eben Jesuit.

Wie haben deine Eltern und Freunde reagiert, also du deinen Plan bekannt gegeben hast?

Mein Bekanntenkreis hat zu meinem Erstaunen nur positiv auf meine Entscheidung reagiert.

Es fällt uns auf, dass du sehr in diesen theologischen Wörtern und Gedankenwelten schwebst. Wie viel Kontakt hast du eigentlich zu normalen Menschen?

Ich habe Kontakt zu den Kommilitonen, finde Kontakt zu Menschen im pastoralen Experiment ...

Oh weia...

In diesem Rahmen gehe ich zum Beispiel nach Augsburg und besuche eine Armenierin, teile Obdachlosen Suppe aus oder besuche ein Gefängnis.

Kannst du dir das selbst aussuchen?

Teilweise. Das Projekt in München mit dem Gefängnis habe ich mir selbst ausgesucht. Ich wollte schon immer einmal sehen, wie es den Menschen dort geht, wie sie leben.

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