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Thalentiert.



Das ganze Interview

Sie sind jetzt schon seit September hier in Coburg und fest angestellt. Wollen und müssen Sie hier bleiben?

Müssen muss man gar nichts, aber ich möchte schon hier bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt. Und nach drei Jahren wird man ja fest verbeamtet, aber versetzen lassen kann man sich immer.

Haben Sie das vor?

Momentan nicht, weil mir die Schule hier sehr gut gefällt.

Was können Sie denn über Ihre Fächerwahl erzählen? Das muss ja alles einen Grund gehabt haben...

Ich habe schon immer leidenschaftlich gerne gelesen. Auch als Kind musste mich da niemand hintreiben. Ich habe auch schon immer gerne Latein gemacht, was ich ja auch erst zu Studieren angefangen habe. Dann ist mir aber gesagt worden, dass dieses Fach sowieso keine Zukunft hätte und so bin ich dann bei Deutsch und Religionslehre geblieben. Zu Religion habe ich eine ganz besondere Beziehung, ich bin als Kind schon gerne in den Kindergottesdienst gegangen und habe mich dann auch bewusst konfirmieren lassen und ich war auch immer im Gemeindeleben involviert. Und dem Ganzen wollte ich eben auf den Grund gehen. In der Schule hat man zwar Unterricht und diese historisch-kritische Bibelexegese, da wird man immer ein bisschen daraufhin vertröstet, dass man das nicht machen kann, da müsste man Studieren. Und das habe ich dann auch gemacht. Vor allem theologische Inhalte, auch Philosophie, das hat mich eben gereizt.

Hm, aber das mit den alten Sprachen ist auch merkwürdig... Denn wenn es irgendwann keine Lehrer mehr dafür gibt, sterben die ja selbstverständlich aus!

Jaja, da bin ich ein Fan von... Da geht es nicht nur um Lehrer... Da geht es auch ein bisschen darum, was die Wirtschaft meint, und die Wirtschaft stellt momentan Prämissen an Schulen und in allen Belangen. Ich hatte einfach Angst, dass ich dann keine Anstellung mehr bekomme. Mit meiner jetzigen Kombination wird man halt einfach genommen.

Da haben Sie dann aber schon Ihre Überzeugung über Bord geworfen?

Ja... Überzeugung über Bord geworfen... Man muss auch dazu sagen, dass das Lateinstudium in Erlangen sehr hart war. Und bei den drei Fächern hab ich mich dann eben gegen Latein entschieden, nach Absprache mit meinem Studienberater. Die innere Überzeugung hängt aber schon an Theologie.

Religion ist Ihnen also auch im Leben sehr wichtig?

Ja, ganz genau.

Sie meinen also auch, dass man das vermitteln sollte?

Ich finde es ganz wichtig, dass das an der Schule bleibt. Es hat seine schultheoretische Begründung erfahren, es hat auch eine verfassungsrechtliche Begründung seit der Weimarer Republik. Ich bin da schon dahinter, weil ich merke, dass in der Gesellschaft ein ganz großer Werteverfall einhergeht. Und ich hoffe, dass man diesen auch mittels des Religionsunterrichts abfangen kann.

Was macht für Sie denn „Glaube“ aus?

Glaube ist in erster Linie, dass ich bedingungslos von Gott angenommen werde. Ich muss da also keine Prämissen erfüllen, sondern ich weiß, dass Gott mich liebt, auch wenn ich sündige. Das ist das Schöne. Mein Glaube ist auch mein Leben, er ist nie ausgeschlossen und für mich eigentlich überall.

Haben Sie mal an Ihrem Glauben gezweifelt?

Ja, das kommt immer wieder mal vor, wenn jemandem persönliche oder außerpersönliche Schicksalsschläge widerfahren und man sich fragt, warum jemand mit zwanzig Krebs bekommen muss. Solche Dinge rütteln dann schon an meinem persönlichen Glauben. Man denkt dann eben die berühmte Theodizee-Frage: Warum kann Gott das zulassen?

(Der Kaffee kommt…) Trinken Sie gerne Kaffee?

Ich brauche das einfach, weil ich einen niedrigen Blutdruck habe. Wenn es ein sehr guter Kaffee ist, dann trinke ich den schon gerne. Aber mit Milch, nicht schwarz.

Haben Sie auch eine kleine Philosophie über Kaffee?

Nö. So richtig schmeckt er mir ja nicht. Aber Kaffee ist für mich halt auch eine Art der Geselligkeit. Das ist ganz seltsam. Daheim bin ich weniger gewillt, mir einen Kaffee zu machen, als wenn Leute bei mir sind. Wenn Besuch da ist, stellt sich einfach die obligatorische Frage: Wollen wir nicht einen Kaffee trinken?

Sie waren ja auch in Wien, da ist das ja mit dem Kaffee-Trinken auch sehr wichtig. Sind Sie mit den Leuten dort gut klargekommen?

Es wurde mir in Wien nie negativ angelastet, dass ich keine Wienerin wäre. Ich kann nicht sagen, dass die da irgendwelche Animositäten gehabt hätten. Wenn ich in irgendein Geschäft gehe, sage ich dann halt auch nicht „Guten Tag!“, sondern eben „Grüß Gott!“. Da kann ich mich recht gut anpassen.

 

(Christian) Ah, da würde mich jetzt interessieren, wie Sie denn ihre Zeitangaben machen, mit dreivierteldrei oder viertel vor drei, usw...

Da kenne ich beides. Ich hatte nämlich in meinem Studium eine Freundin, die nicht aus Süddeutschland kam. Die habe ich einmal stehen gelassen, weil sie das nicht verstanden hat. Dann haben wir uns eben hingesetzt und beschlossen: Ab jetzt ist „dreivierteldrei“ viertel vor drei.

Sie haben ja vorher über Ihren Glauben gesprochen. Wie meinen Sie, kann man in diesem theoretischen Unterricht, der betrieben wird, den Schülern den Glauben nahe bringen?

Ich bin ja nicht dazu abgestellt, zu missionieren. Ich bin dazu da, Glaubensinhalte zu vermitteln. Und ich weiß nicht, ob man im Unterricht den Weg zum Herzen eines Schülers so gut finden kann, da Glaube ein persönliches Geschenk ist. Ich kann niemandem so und soviel über die biblischen Geschichten erzählen und dann hoffen, dass er daran glaubt. Jeder muss das mit sich selbst ausmachen. Ich kann ihn nur dazu anleiten, sich einen Zugang dazu zu bahnen, aber den Durchbruch muss jeder selbst erzielen.

Und Sie meinen, dieser trockene Unterricht, was ja Religion mindestens in der Oberstufe auf jeden Fall ist, der hilft dabei?

In der Oberstufe muss man viele Wissensinhalte vermitteln. Außerdem machen doch einige Leute Abitur. In den unteren Klassen kann man Lerninhalte schon anders vermitteln, doch man gleitet dann oft in so ein „Ringelpiez mit Anfassen“, in ein „Ich-hab-euch-alle-lieb!“ und es kommt nichts dabei rum. Das ist immer so eine Gratwanderung, doch in der Oberstufe ist das eben nicht anders zu bewerkstelligen und das schriftliche Abitur hat es schon in sich. Ich habe auch meine Lehrplanvorgaben und man diese Textflut nicht vermeiden. Ich bin gespannt, ob sich das bessert, wenn der Lehrplan jetzt gekürzt wird.

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