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Was ich einmal werden will



Ein einfacher Hausaufsatz

Liebe Jaqueline,

da Du mir in Deinem letzten Brief erzählt hast, dass du Dich nicht für eine berufliche Zukunft entscheiden kannst, möchte ich Dir helfen, indem ich Dir etwas über meine Zukunftspläne erzähle.

Da ich schon jetzt die Lust an der Schule und ihren teils übermotivierten, teils hysterischen Lehrern verloren habe, plane ich, die Schule nach der 10. Klasse abzubrechen. Dann habe ich meine Mittlere Reife und kann mich den Jobs verschreiben, in denen ich die Welt zum Besseren verändern kann, und die mir gleichzeitig noch Spaß machen, da sie mir geradezu auf den Leib geschrieben sind. Zugleich kann ich dabei noch meine Weltanschauung einbringen – alles hängt nur von der richtigen Einstellung ab.

Ein Müllmann, wie ich einer werden will, kann die Welt von dem Müll befreien, den unsere kapitalistisch gesinnten Mitbürger Jahr für Jahr in Übermaßen produzieren und gleichzeitig noch etwas für den Umweltschutz tun: Recycling. Diese einfache Methode, die keinem viel Zeit und Anspruch abverlangt. Diese von vielen nicht verfolgte Mülltrennung kann dann ich in letzter Konsequenz durchführen. Ich fühle mich in der Umgebung von Müll sehr wohl – das erinnert mich stark an mein Zimmer, das ich ganz nach ökonomischen Gesichtspunkten zur Müllproduktion in Form von Schulaufsätzen gestaltet habe. Ich habe zudem ein Verfahren entwickelt, wie man ohne große Probleme möglichst viel Papier sparen kann: Man macht einfach keine Hausaufgaben mehr. Wenn sich auch nur jeder dritte Schüler in Deutschland daran beteiligte, müssten sich 20% weniger Biber in den brasilianischen Regenwäldern arbeitslos melden. Damit wäre nicht nur der Natur, sondern auch den Wilderern in Brasilien geholfen, da die Biber sich vermehrt besoffen in ihre Wohnzimmer zurückziehen und somit kaum noch ausgerottet werden können. Dies ist einer der Faktoren, warum die brasilianische und damit auch die gesamte süd- und mittelamerikanische Wirtschaft derzeit nicht wieder auf die Beine kommt. Somit könnte ich – und ich sehe als Müllmann durchaus Aufstiegschancen, wie z.B. Bundesmüllminister zu werden, und damit Gerhard Schröder abzulösen, oder aber auch die durch die Ausbildung als Müllmann erlangte Befähigung, Monika Hohlmeier in ihrem Amt abzulösen - zwar einen kleinen Beruf für den Menschen ausüben, aber auch einen große Arbeit für die Menschheit leisten.

Natürlich würde es mir auch gar nichts ausmachen, wenn ich schließlich auch nur ein einfacher Müllmann bliebe. Wenn ich schließlich zum Fahrer des Müllwagens aufgestiegen wäre, könnte ich gleichzeitig auch noch etwas für unsere leere Rentenkasse tun, indem ich den Altersschnitt der Bundesrepublik Deutschland senkte, wenn ich nämlich die Straßen – was für mich auch in meinen Aufgabenbereich fällt - von unnützem Rentnergesindel säuberte.

Du siehst, man muss nicht immer große Dinge in Angriff nehmen, um Großes zu erreichen; Hauptsache man erreicht das, was man erreichen will, und das sollte der Menschengemeinschaft möglichst viel einbringen. Zudem sollte man das tun, was einem Spaß macht – und das habe ich vor.

Gruß

Dein Justin

(geschrieben auf chlorfrei gebleichtem Zellstoff)

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