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Battle Royale



Abrechnung mit unserer Gesellschaft

Japan. Wir befinden uns im Jahre 1997; in einer Welt, in der Japan den 2. Weltkrieg nicht verloren hat. Das vom Militär geführte Land hat die Kontrolle über Arbeitslosigkeit verloren, über 800.000 Schüler boykottieren die Schule und randalieren - die Erwachsenen fürchten die Jugend. Als Exempel und um zukünftige, „nutzlose“ Erwachsene zu eliminieren, wird jährlich eine zufällig gewählte 9. Klasse gezwungen, sich gegenseitig in einem tödlichen Jeder-gegen-Jeden Spiel zu töten. Nur der letzte Überlebende darf als „Sieger“ nach Hause in sein normales Leben zurückkehren. Die „Battle Royale“ um Leben und Tod unter besten Freunden beginnt...

 

Nach dem jüngsten Gewaltakt gegen einen Lehrer freut sich die Klasse 9b, endlich einmal den traurigen Schulalltag zu vergessen, denn es geht auf Klassenfahrt. Alle sind gut drauf, Erinnerungsfotos werden geschossen und auch der nette neue Klassenleiter, der für jeden Spaß zu haben ist, sorgt für Stimmung. Man freut sich auf ein erholsames Wochenende. Seltsamerweise sind heute eine Menge Soldaten unterwegs, doch denen wird erstmal kaum Beachtung geschenkt, haben vor allem die Mädels doch endlich mal die Chance, ein paar Worte außerhalb der Schulmauern mit ihrem Schwarm zu wechseln. Doch plötzlich werden alle von einer seltsamen Müdigkeit übermannt.

Als sie wieder aufwachen, wird die Klasse in einem schäbigen, alten Klassenzimmer von ihrem ehemaligen Klassenleiter (Takeshi Kitano, bekannt aus „Brother“) begrüßt. Nach einem kurzen Vortrag über den Verfall der Gesellschaft und wer die Schuld daran trägt - nämlich die Jugendlichen - eröffnet er ihnen, dass sie für das diesjährige Battle Royale-Projekt ausgelost wurden; dieses wurde ins Leben gerufen, um „unnütze“ zukünftige Erwachsene zu beseitigen, als Exempel für die aufmüpfige Jugend und nicht zuletzt um kriegstaktische Daten zu sammeln. Die Regeln sind einfach: die Klasse befindet sich auf einer einsamen Insel, jeder Schüler erhält Proviant, eine Karte, einen Kompass und eine zufällig gewählte Waffe (dies kann je nach Glück eine Pistole oder ein Topfdeckel sein), und sie haben 3 Tage Zeit, sich gegenseitig umzubringen. Der letzte Überlebende darf nach Hause in sein normales Leben zurückkehren. Sollte nach Ablauf der 3 Tage noch mehr als ein Schüler am Leben sein, werden alle mittels einer am Hals befestigten Sprengladung getötet. Das gleiche Schicksal erleiden auch die, die die Teilnahme verweigern.

Zuerst glauben die Schüler, es handle sich um einen schlechten Scherz, doch als sie sehen, wie die blutüberströmte Leiche ihres Lehrers ins Zimmer gefahren wird, und zwei Schüler einfach so von ihrem Ex-Klassenleiter Kitano getötet werden, wird ihnen klar, dass das kein Spass ist. Und dass ihre Leben von nun an nichts mehr wert sind.

Zuerst sind die 42 Schüler noch verwirrt, zumal noch 2 undurchschaubare Freiwillige mitmischen - mordlustige Irre anscheinend - schnell aber wird ihnen ihre wahnwitzige Situation klar und sie versuchen mit allen Mitteln zu überleben - als einzigster. Freunde werden zu Feinden, alte Rechnungen werden mit dem Tod bezahlt. Selbst das kleinste Misstrauen, der Egoismus eines jeden einzelnen, kann zum Verhängnis werden. Während viele durchdrehen, den Freitod wählen oder mordend ihren Weg durch die Insel schlagen, versuchen einige, sich zu verbünden und eine friedfertigen Weg von der Insel zu finden. Nur um eines vorwegzunehmen: diesen gibt es nicht.

Der Film schockt zusätzlich neben dem ernsten Thema mit einer schonungslosen Gewaltdarstellung in klinischer Großaufnahme. Diese geschieht aber nicht aus Selbstzweck, sondern verdeutlicht noch die schreckliche und ausweglose Lage der Schüler. Denn hier rechnen nicht einfach die „Guten“ mit den „Bösen“ ab wie in billigen Actionfilmen, Rechtfertigung und Schwarz-Weiß-Malerei ist hier nicht vorhanden. Hier geht es ums nackte Überleben. Entweder man ist gezwungen zu töten, oder man wird selbst getötet. Jegliche Konventionen und ethische Vorstellungen gehen verloren, wenn es um das eigene Überleben geht. Dies wird an einigen tragischen Einzelschicksalen verdeutlicht, zum Beispiel der Junge mit dem Radarpeilgerät. Um seine heimliche Angebetete zu beschützen, sucht er sie in ihrem Versteck auf. Doch sie erkennt ihn nicht und erschießt ihn.

Die einzelnen Schicksale werden fast schon episodenhaft dargestellt, an deren Ende immer schwarz auf weiss festgehalten wird, wer diesmal sein Leben lassen musste. Gerade diese schriftliche Gewissheit erstickt beim Zuschauer jeden Funken Hoffnung. Sie sind tot. Punkt, aus. Einige Schüler werden aber besonders herausgestellt, beispielsweise Shuya und Noriko, die eine Art roten Faden durch den Film führen.

Zu all den schrecklichen Morden „erspart“ der Regisseur Kinji Fukasaku es einem auch nicht, dass das Geschehen mit klassischen Stücken wie dem Requiem von Verdi oder Stücken von Bach und Beethoven unterlegt wird, was einen abartigen Kontrast erzeugt; eine erschreckende Normalität wird erreicht, wenn Jugendliche zu beliebt-bekannten Stücken wie dem Schneewalzer sich gegenseitig umbringen. Dieser musikalische Genie-Streich macht die Aussage des Filmes noch klarer: Eine düstere Zukunftsvison einer anscheinend hoffnungslosen Jugend wird gezeichnet, die moderne (japanische) Erziehung wird hinterfragt. Das Prinzip „survival of the fittest“, welches das Grundthema des Filmes ist, steht in direkter Linie zu unserer heutigen Ellbogengesellschaft. Besonders in Hinsicht auf den Drill und das Leistungsdenken, der in Japan Jugendlichen zuteil wird.

Der Film genoss bisher sein Dasein als japanischer Geheimtipp, nun ist allerdings eine deutsche Verleih-DVD erschienen. Leider wurde der Film trotz FSK 18 um 11 Minuten gekürzt, was die nachdenklich stimmende Gewaltorgie doch einen merklichen Teil ihrer schockierenden Aussage beraubt. Dennoch ist der Film auch in dieser Fassung sehenswert, nebenbei existiert noch eine ungeschnittene DVD aus England, japanisch mit englischen Untertiteln (auf dieser beruht dieser Artikel). Dennoch eine kurze Warnung: dieser Film ist definitiv nichts für zarte Gemüter. Auch nicht in der deutschen Fassung. Dieser Film schlägt ziemlich in die Magengrube, und auch wer denkt, schon alles gesehen zu haben, hat nach dem Film einen Kloß im Hals. Für mich persönlich war es der tragischste, härteste und nachdenklich-stimmendste Film, den ich je gesehen habe. Empfehlenswert.

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